Chronik DRK Kriftel

Geburtswehen:

"Im Juni 1923 beschlossen einige Herren die Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne Kriftel."

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Mit diesem Satz begann Johann Heislitz, der erste Schriftführer des DRK Kriftel seine Aufzeichnung, die er fein säuberlich in ein Protokollbuch eintrug. Dieses Buch hat dank sorgfältiger Aufbewahrung die Jahrzehnte gut überstanden und dient heute als wertvolles Dokument beim Spaziergang durch die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes Kriftel.Johann Heislitz beschreibt nichts weniger als die Geburtsstunde der Krifteler Ortsvereinigung. Obgleich er seiner ersten Aussage die folgende hinzufügt:"Da aber die Beteiligung zu gering war, so schlossen sich dieselben der Kolonne Hofheim an."Dennoch übernahmen die Freiwilligkeit von jenem Zeitpunkt an die Wachen und den Sanitätsdienst in Ihrer Heimatgemeinde. Der Arbeit des Roten Kreuzes verbunden war übrigens schon im vorigen Jahrhundert. Der "Zweigverein vom Roten Kreuz für den Kreis Höchst am Main" verzeichnete im Jahr 1897 zweiundzwanzig Krifteler in seinen Mitgliedslisten.

Notzeiten: 

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Im Jahre 1923 - in Kriftel wohnten damals 1983 Menschen - herrschte in der Gemeinde infolge von Inflation und hoher Arbeitslosigkeit große soziale Not. Umso bewundernswerter erscheint vor diesem Hintergrund die Bemühung der Krifteler in jener Zeit, dem ehrenamtlichen Sanitätsdienst einen organisatorischen Rahmen zu geben. Mit dem Anschluss an Hofheim gab man sich nicht lange zufrieden. Hartnäckig wurde das Ziel verfolgt, eine selbstständige Kolonne zu Gründen.

Männer der ersten Stunde:

Am 26.Mai 1924 schließlich fand die offizielle Gründungsversammlung statt. Als Gründer sind im Protokoll folgende Personen verzeichnet:Karl Hingott, Fritz Röder, Phillip Merz, Willi Jakobi, Martin Reuter, Hermann Jakobi, Jakob Westenberger, Hans Pierenkamper, Johann Heislitz, Heinrich Hechler, Adolf Zöll, Ludwig Gehrig, Joseph Hassel, Franz Krätzler, Karl Langlotz und Joseph Nink.Außerdem haben sich acht Jugendliche der Kolonne angeschlossen. Ihre Namen lauten:Willi Hauck I, Joseph Hartmann, Hans Salzmann, Joseph Haas, Willi Hauck II, Johann Heislitz, Josef Christ und Thomas Pollinger.

Ernsthafte und gewissenhafte Arbeit ....

Karl Hingott wurde zum Vorsitzenden und 1.Kolonnenführer gewählt. Fachlich betreut wurde die Kolonne von dem Hattersheimer Arzt Dr. Nüztel. Als erstes wurde beschlossen eine fahrbare Tragbare anzuschaffen, was auch mit Unterstützung durch die Gemeinde und Spenden einiger Bürger noch im gleichen Jahr gelang. Im Protokoll einer Versammlung im Juni 1924 wird die Aufforderung festgehalten, dass die Mitglieder zu eigenen Übungen der Feuerwehr "stets erscheinen" sollten, später wurde bei unentschuldigtem Fehlen eine Strafe von 50 Pfennig angedroht. Unfug, vermerkte Schriftführer Johann Heislitz gewissenhaft, darf dabei keiner getrieben werden.Dafür wurden gesellige Unternehmungen arrangiert, wie z.B. Tanzabende oder kleine Ausflüge in die nähere Umgebung. Der provisorische Vorstand der Gründungsversammlung hatte seine Arbeit offensichtlich gut gemacht. Im Januar 1925 wurden alle Vorstandsmitglieder für die nächsten drei Jahre wiedergewählt.

... unter schwierigen Bedingungen

Die äußeren Bedingungen für die Arbeit der Kolonne waren äußerst schwierig, die Ausrüstung mehr als bescheiden. Doch mit eisernem Willen versahen die Sanitäter, in deren Reihen bald auch Frauen aufgenommen wurden, ihren Dienst am Nächsten. Nicht selten wurde die mangelhafte Ausrüstung in Heimarbeit aufgebessert. Im Protokoll vom Oktober 1925 lesen wir beispielsweise: "Für die alten unbrauchbaren Eisbeutel soll Ersatz geschaffen werden. Frau Hechler erklärt sich bereit, neue anzufertigen, was dankbar anerkannt wird." Ebenso ist bezeichnenderweise notiert: " Die Anschaffung von Schreibmaterial wird der hohen Kosten wegen verschoben."

127 Verbände, acht Einspritzungen

Als neuer Kolonnenarzt wurde im November 1925 Dr. Leuck gewählt, offenbar eine gute Wahl. Denn der Arzt engagierte sich sehr in seinem Amt und stiftete der Kolonne außerdem so manche wertvolle Ausrüstungsgegenstände. Zum Vereinslokal wählte man das Gasthaus "Zum Grünen Wald" .Im Tätigkeitsbericht  für das Jahr 1925 wurden folgende Leistungen festgehalten: 127 Verbände, 8 Einspritzungen, eine Krankenwache, 23 Wachen bei sportlichen Veranstaltungen. Mit fortschreitender Zeit bekundeten immer wieder Krifteler ihr Interesse an einer Mitarbeit in der Kolonne. Jedoch wurde über ihre Aufnahme in jener zeit in geheimer Abstimmung beschieden. Nach Aussage des Protokolls gab es vereinzelt auch negative Entscheidungen.

Frauen engagieren sich

Im Juli 1927 wählte die Versammlung Robert Spiehl zum Ersten Vorsitzenden. Der unermüdliche Johann Heislitz übernahm die Kolonnenführung. Unter der der neuen Führung wurden in den Folgejahren u.a. Frauen zu Kolonnenhelferinnen ausgebildet und standen den Kameraden bei Bereitschaftsdiensten zur Seite. Eine neue Jugendgruppe wurde gegründet und in Eigenarbeit wurde ein Gerätewagen gebaut. Außerdem wurde der bau eines eigenen Kolonnenheims in Angriff genommen und 1930 fertig gestellt. Im August 1930 legte Robert Spiehl sein Amt als Erster Vorsitzender nieder. Dr. Leuck übernahm bis auf weiteres die Leitung. Er wurde später im Amt bestätigt und behielt dies bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges inne. Hier endet auch das alte Protokollbuch - die Aufzeichnungen aus den Jahren 1934 bis 1948 sind verloren gegangen. Diese Lücke zu schließen ist uns nicht gelungen.

Nachkriegsjahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es vor allem unserem Gründungsmitglied Willi Jakobi zu verdanken, dass die DRK-Arbeit wieder in Schwung kam. Zusammen mit Heinrich Dietzel und weiteren Kameraden baute er mit großer Ausdauer die Ortsvereinigung neu auf. Im Jahre 1950 wurde Willi Jakobi zum Kolonnenführer gewählt, das zusätzliche Amt des Ersten Vorsitzenden gab er noch im gleichen Jahr wegen Überlastung an R. Genss ab, der zwei Jahre später zurücktrat. An seiner Stelle wurde dann Adolf Hönig gewählt.Mit dem Kolonnenheim, einem kleinen Häuschen am Schwarzbach, das später den Schwarzbachhallen Platz machen musste, war man allmählich nicht mehr ganz zufrieden. Im Jahre 1955 wurde Bauscheine im Wert von 0,50 und 1,00 Mark für den Umbau der Unterkunft ausgegeben. Zunehmend übernahmen jetzt auch in dieser zeit Frauen Verantwortung im Vorstand.

Führungswechsel

Ein personeller Umbruch fand 1957 statt: Für den verdienten Bereitschaftsarzt Dr. Leuck kam Dr. Stephan Hein zum DRK Kriftel. Im gleichen Jahr wurde Friedel Mollath an die Spitze der Ortsvereinigung gewählt, Manfred Trutz, der ein Jahr zuvor kommissarisch die Bereitschaftsführung übernommen hatte, wurde in diesem Amt bestätigt, Paul Homuth wurde Zeugwart. Vier Namen, die die weitere Geschichte des Roten Kreuzes in Kriftel prägen sollten. Und immer wieder Willi Jakobi: 1959 übernahm er erneut den Vorsitz, drei Jahre später wurde er durch ein weiteres Gründungsmitglied und ein erfahrener Rotkreuz-Mann, Josef Christ.

Eigenständigkeit erhalten

Im neuen Bürgerhaus wurden zwei Räume für die Rotkreuz-Arbeit zur Verfügung gestellt. Dort wurde auf Wunsch des Kreisverbandes eine Unfallhilfsstelle eingerichtet, die vom ersten Hausmeister des Bürgerhauses und DRK-Mitglied Josef Heep geleitet wurde. Auf einer Arbeitstagung des Kreisverbandes wurde 1963 der Wunsch nach einer Zusammenlegung der DRK-Verbände in Hofheim und Kriftel geäußert. Die Krifteler beschlossen, in diesem fall die Kolonne aufzulösen. Im Februar 1964 übernahm Bereitschaftsführer Manfred Trutz zusätzlich die Leitung der Frauengruppe. Die bisherige Leiterin Helga Christ schied wegen Umzug aus. Heinz Dietzel wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Obwohl im folgenden Jahr erstmals sechs junge Damen aus der Jugendgruppe in die Aktiven-Mannschaft übernommen werden konnten, sank die Zahl der Aktiven auf 26, später sogar auf 20. Damit konnte nur noch ein "Zug" gebildet werden, für eine Bereitschaft war die Truppe zu klein geworden.

Beginn einer Freundschaft

Unterkunft SBH

Die Gemeinde Kriftel erkannte den Nutzen der Kolonne und griff dem Ortsverband finanziell unter die Arme. Im Jahre 1965 stellte Bürgermeister Georg Richberg jährliche Zuschüsse in Aussicht. Anfang der 70er Jahre musste das alte Kolonnenheim am Schwarzbach abgerissen werden. Das DRK zog in das Dienstgebäude der Gemeinde in den Sportanlagen an der Hofheimer Straße um. 1971 wurden erste Kontakte mit der Rotkreuzvereinigung in Airaines/Frankreich aufgenommen - der Beginn einer lang anhaltenden Freundschaft über Ländergrenzen hinweg war gestellt.

Es geht bergauf

Die Feier des 50jährigen Bestehens im Jahre 1973 gab der Rotkreuzidee in Kriftel neuen Aufschwung. Der langjährige Vorsitzende Heinz Dietzel legte 1976 sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Nachfolger wurde Rudolf Weber. Im gleichen Jahr wurde auf Initiative des Bereitschaftsführers Manfred Trutz die Jugendrotkreuzgruppe neu gegründet. Zwei Jahre später stand die Bereitschaft gestärkt da: 30 Helferinnen und Helferwaren aktiv, ein aus Eigenmitteln finanzierter erster Mannschaftswagen wurde eingeweiht. Im Oktober 1979 wählten die Mitglieder Paul Dünte zu ihrem Ersten Vorsitzenden.Von der Unterkunft am Sportplatz zog das DRK 1985 um in den Pavillon an der Lindenschule, der uns bis heute als Unterkunft dient. 1987 verstarb unser Gründungsmitglied Willi Jakobi. Fünf Jahre später folgte ihm der ebenfalls zum Ehrenvorsitzende ernannte Heinrich Dietzel.

Ein Neubeginn

1990 fand ein Umbruch in der Bereitschaftsführung statt: Manfred Trutz stellte sich nach fast 25jähriger Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Seine Nachfolge trat Oskar Hüsam als Bereitschaftsführer, und Stephan Hofmann als sein Stellvertreter an. 1992 übernahm Heiko Richter die Führung, musste aber wegen beruflicher Veränderungen nach drei Jahren sein Amt niederlegen. Nun erst konnte man ermessen welche Arbeitskraft und Zeit Manfred Trutz, der 1997 verstarb, in die DRK-Arbeit investiert hat.

Von 1995 bis heute teilen sich Monika Beisheim und Stephan Hofmann die Arbeit der Bereitschaftsführung. Das Duo sieht sich in die Pflicht genommen, die gute Arbeit der Vorgänger weiter fortzusetzen.

Bei ziemlich gleich bleibendem Mitgliederstand sind die Anforderungen an die einzelnen Helferinnen und Helfer in den letzten Jahren gestiegen. Im Jahre 2011 wurden insgesamt 13000 ehrenamtliche Dienststunden geleistet - zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Kriftel.

Chronik Vorsitzende DRK Kriftel

Chronik Bereitschaftsleitung DRK Kriftel